Dominique Perrault - Cocon

Der Architekt Dominique Perrault experimentiert in seinen Gebäuden mit Metallgeweben, die ursprünglich für Anwendungen in der Landwirtschaft wie Förderbänder und Filtersysteme entwickelt wurden. Diese Kontextverschiebung des Materials verändert die Architektur in mehrfacher Hinsicht. Durch die Anwendung des Metallgewebes als Baumaterial erweitert sich einerseits der Materialkanon der Architektur über etablierte Baustoffe wie Glas, Stahl und Beton. Als alleiniges Fassadenmaterial eingesetzt - wie in Perraults derzeit im Bau befindlichem Tennisstadion in Madrid - verwandelt das Metallgewebe die Gebäudehaut in eine Membran. Mit seiner porösen, durchlässigen Struktur verbindet es das Gebäude mit seiner Umgebung und erzeugt Räume, die halb innen, halb außen sind und neue Formen der räumlichen Benutzung suggerieren. Darüber hinaus kann die Architektur durch die architektonische Verwendung des Metallgewebes klassische Formen der Repräsentationen umgehen sowie neue und überraschende Beziehungen zu ihrer Umgebung aufbauen.Für The Design Annual entwickelt Dominique Perrault eine Installation, in der er die Poetik dieses industriellen Materials räumlich erfahrbar macht. Sie besteht aus einem Metallgewebe-Kokon von 9 m Länge und einem Durchmesser von 1,80 m an der breitesten Stelle. Der Kokon ist innen teilweise mit Filz ausgeschlagen und lädt die Besucher dazu ein, die metallene Röhre zu betreten. Die Wärme und Weichheit des Filzes im Innern des Kokons vermittelt den Besuchern, dass das Metallgewebe hier nicht mehr als industrielles Objekt, sondern als Material einer neuen Architektur eingesetzt wird. Im Innern des Kokons erzeugen Stableuchten mit variierender Lichttemperatur und –intensität eine Raumatmosphäre, die zwei Archetypen der Architektur – Platos Höhle und die Ur-Hütte – ins 21. Jahrhundert zu befördern scheint.www.perraultarchitecte.com